THE WALKING DEAD: TELL IT TO THE FROGS - zerfleddert und gespoilert

Szenenfoto TELL IT TO THE FROGSAutor: Bandit

Episode drei, TELL IT TO THE FROGS, läuft ab dem 19.11. im Fox-Channel Deutschland. Erneut wird im Sky-Paket keine englische Tonspur angeboten. Die jeden Freitag mit einer neuen Folge laufende Fox-Serie bereitet auf diese Art wirklich keine Freude. Aber wenigstens hat Fox endlich mitgeteilt, dass der Pilotfilm für den gesamten Markt außerhalb Amerikas um 20 Minuten gekürzt wurde, um überall besser ins Programmschema zu passen. Kein Land hat aber stringentere Schemata als das amerikanische Fernsehen. Seltsame Argumentation. Da gehen Programmstrukturen eben über Kunst. Eine Serie über Zombies? Kunst?

Familienzusammenführung im Camp der Überlebenden außerhalb Atlantas. Deputy-Sheriff Rick Grimes trifft endlich auf seine Frau und den gemeinsamen Sohn. Rick ist gerührt, Lori schockiert. Sein Kollege und Kumpel Shane, der sich körperlich bisher sehr gut um Lori kümmerte, ist ratlos. So ist es zum Happy-End noch eine Weile hin, denn so viele Dinge sind liegengeblieben und müssen erst ins Reine gebracht werden.

Wirklich überraschend war es nicht, dass man Michael Rooker als rassistisches Großmaul Merle Dixon noch einmal sehen würde, zu prägnant und einnehmend war seine Figur im Vorgänger. Wäre sein Ende mit dem Ende der zweiten Episode besiegelt gewesen, hätte das einen zusätzlichen, schockierenden Aspekt auf diese neue Welt der wandelnden Toten geworfen. So verpufft der Effekt ein wenig. Dafür darf man im Teaser eine grandiose Darbietung aller Facetten menschlicher Verzweiflung erleben, die der mit Handschellen ans Hochhausdach gefesselte Dixon durchleben muss. Zudem klopfen schon die hungrigen Mäuler begierig an die Tür, um auf das Dach zu gelangen.

TELL IT TO THE FROGS ist keine wirklich gute Folge. Ist inhaltlich Episode zwei schon im Vergleich zum Pilotfilm abgefallen, dominieren in Nummer drei ganz eindeutig starke Schwächen die Inszenierung. Charakterzeichnungen und Dialoge bewegen sich im Rahmen einer handelsüblichen, aber auch nicht sehr originellen Serie. Sarah Wayne Callies hat als Lori ihren – wenngleich tot geglaubten – Mann betrogen. Ihre Reaktion auf ihn und seine Präsenz ist alles andere als herzlich. Grimes müsste eigentlich sofort auffallen, dass dies nichts damit zu tun hat, dass er doch noch am Leben ist, sondern dass irgendetwas zwischen ihnen steht. Und dass etwas zwischen ihnen steht, versucht Wayne Callies in jeder Szene leider allzu offensichtlich zum Ausdruck zu bringen. Die Regie hat sie nicht daran gehindert.

Szenenfoto TELL IT TO THE FROGS

Nach drei Folgen ist noch immer nicht ersichtlich, wie groß die Zeltstadt eigentlich wirklich ist, wie viele Überlebende sich da versammelt haben und warum man sich ausgerechnet in einem unübersichtlichen Waldstück sicher fühlen sollte. Hier hat sich das Production-Design aus unerfindlichen Gründen zu sehr zurückgehalten. Da fast die gesamte dritte Episode im Camp spielt, bleiben diese Fragen allgegenwärtig. Es macht keinen Sinn. Oder vielleicht macht es den, aber es wird in keiner Weise vermittelt. Als treuer Zuschauer bin ich schließlich an der Welt interessiert, die ich von meinem Sofa aus bewundern möchte. Doch mangelt es an Überblick und Erklärungen, wo beides eigentlich angebracht wäre.

Die Frauen machen selbstverständlich den Haushalt, waschen die Wäsche im nahen Baggersee und bügeln dank eines Stromgenerators die Blusen und Hosen. Ist das die Welt nach der Apokalypse, dass sich Frauen in Rollen wiederfinden, aus der sie hundert Jahre harten Kampfes zuvor ausgebrochen sind? Selbstredend sitzen die Männer nichtstuend bei den arbeitenden Frauen oder vertreiben sich derweil ihre Zeit im See. Beim Aufbegehren gegen diesen Missstand werden umgehend altbekannte und weit überholte Klischees freigesetzt. Maul halten und weiterarbeiten, oder die nächste schallende Ohrfeige ist sofort verteilt. Es ist ein sehr billiges Szenario, mit dem Regisseurin Horder-Payton versucht, Veränderungen in den sozialen Strukturen zu verdeutlichen. Natürlich werden solche Szenen vom Drehbuch vorgegeben, doch in der Inszenierung muss man einfach sehen, dass sie bei einer realistischen Umsetzung nicht funktionieren.

Genauso wenig funktioniert Norman Reedus‘ Figur von Daryl Dixon, der sich nicht eine Nuance von seinem auf dem Dach zurückgelassenen Bruder unterscheidet – weder in Aussehen und Sprache noch im Habitus. Mit Ausnahme von Rick und Shane brechen sich alle Charaktere auf Stereotypen herunter, die wenig überzeugen und kaum Tiefe besitzen. Spannend ist das nicht anzuschauen, weil die Personen weder interessant sind noch zu überraschen vermögen. Selbst Leinwand-Urgesteine wie Jeffrey DeMunn oder Laurie Holden halten nicht im Geringsten, was ihre Namen versprechen.

Gwyneth Horder-Payton hat durch ihre fehlenden Regieeinfälle und ein mangelndes Gespür für das Besondere in dieser Ausnahmeserie The Walking Dead noch mal eine Stufe nach unten Richtung Standard-Fernsehen gedrückt. Sollten sich Drehbuch und Inszenierung am Ende wirklich nahe an der Comic-Vorlage halten, dann ist das nur ein Zeichen, dass sich zwei verschiedene Medien eben nicht im selben Stil umsetzen lassen, weil sie jeweils anderen Gesetzen unterliegen. Sollte man sich aber so weit von der Vorlage entfernt haben, dass die angeführten Schwächen darauf zurückzuführen wären, dann ist grundsätzlich etwas im Argen.

Szememfoto TELL IT TO THE FROGS

In einer Szene tut sich ein Zombie in der Nähe des Camps an einem Hirsch gütlich, was die ihn entdeckenden Kinder sofort um Hilfe schreien lässt. Abgesehen von der Bestätigung der Frage, warum man ein Camp in der unübersichtlichen Lage eines Waldstückes aufschlägt, beherbergt das Szenario einen ganz anderen Aspekt. Die gesamte herbeieilende Männerschaft schlägt mit Stangen und Knüppeln auf den ungebetenen Gast ein, bis dieser schließlich von einer Axt geköpft und der noch zuckende Kopf von einem Pfeil durchbohrt wird. Im Ansatz hat diese Szene etwas radikal Archaisches. Diese im stummen Einvernehmen auf den Eindringling einschlagende Meute ist wesentlich näher an Neandertal als an Atlanta. Im Sumpf des Serieneinerleis, in den diese Sequenz eingebettet ist, verpufft aber beinahe die Wirkung dieses Rückfalls in die Zeit der Sammler und Jäger. Das Geschehen hätte zu einem emotionalen Höhepunkt gereicht, wenn es wesentlich bewusster inszeniert worden wäre. 

Dafür gibt es einen stimmungsvollen und Mut machenden Cliffhanger. Denn unser Held Rick Grimes muss natürlich noch einmal zurück in die von wandelnden Toten überfüllte Stadt, um unerledigte Geschäfte zu Ende zu bringen. Doch zu seinem und dem Entsetzen der ihn begleitenden Gefährten muss er feststellen, dass die Zombies nicht zwangsläufig das größte Problem in dieser vollkommen auf den Kopf gestellten Zivilisation sein müssen. Denn der gemeine Zombie will ja nur was zum Knabbern. Genauer betrachtet stellt der gewöhnliche Tote keine großen Ansprüche und bleibt dabei berechenbar. Und dieser Cliffhanger hat das Potenzial, das Pferd wieder am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Möge dieser Akt gelingen, denn Folge drei bringt erworbene Reputationen erheblich ins Wanken.

THE WALKING DEAD: 01x03 – TELL IT TO THE FROGS
Darsteller: Andrew Lincoln, Laurie Holden, Jon Bernthal, Andrew Rothenberg, Michael Rooker, Norman Reedus, Juan Pareja, IroniE Singleton, Steven Yeun, Jeryl Prescott, Sarah Wayne Callies, Emma Bell, Jeffrey DeMunn, Melissa McBride, Adam Minarovich, Madison Lintz, Maddie Lomax u.a.
Regie: Gwyneth Horder-Payton
Teleplay: Charles H. Eglee, Jack LoGiudice, Frank Darabont - nach den Comics von Robert Kirkman (auch Produzent)
Kamera: David Boyd
Originalmusik: Bear McCreary
Bildschnitt: Hunter M. Via
Produktionsdesign: Gregory Melton
Special-Makeup-Effects: Greg Nicotero
USA 2010 – zirka 45 Minuten
AMC

Bildnachweis Promo-Fotos: TWD Productions / AMC

Wirklich ein gelungener Artikel über diese Folge.

Was Daryl Dixons Figur angeht, so kann ich aber nicht zustimmen, dass er sich im Aussehen nicht von seinem Bruder unterscheidet. Daryl ist doch ein ziemlich gut aussehender Kerl und ich glaube, dass dies auch ein Grund ist warum wir seinen Charakter noch länger in der Serie sehen werden. Ähnlich vielleicht wie Sawyer bei LOST (wobei ein richtiger Vergleich von LOST und The Walking Dead natürlich viele Seiten füllen würde) denke ich, dass Daryl sich zu einem richtigen Publikumsliebling hocharbeiten wird. Er sieht gut aus und ist nicht ganz so offensiv wie sein Rassistenbruder. Außerdem ist er lernfähig und ab und zu bereit sich der Gruppe anzupassen. Ich denke, dass er mit der Zeit sehr viel gemäßigter werden wird und dass er auch zu der Gruppe ein stärkeres Band entwickeln wird. Vielleicht sogar so stark, dass er sich, im Falle einer Rückkehr Merles, sogar gegen seinen Bruder stellen und für die Gruppe kämpfen könnte. Ach, wie gesagt, ich finde einfach er sieht zu gut aus um schnell und ehrlos zu sterben und Kirkman erwähnte ja auch, dass er die Figur gerne mag.

Was ich allerdings nicht verstehe ist, was Shane da noch treibt. Warum man ihn überhaupt mit in die nächste Staffel nehmen musste. Das wird nur Ärger geben.

Ich denke in der nächsten Staffel wird sich entgültig entscheiden ob The Walking Dead besser als der Durchschnitt werden kann oder sich vorzeitig in endlose Einschaltquoten-Tiefen begeben wird. Es hat viel Potential aber bisher wurde mit diesem Potential, wie du ja auch richtig bemerkt hast, recht wenig angefangen.

Naja, ich bin mir ja bei Deinem Nickname nicht so sicher, aber ich würde einfach behaupten, das der Begeisterung für Daryl Dixon nach, eine Frau schreibt.
Im weiteren Verlauf der Serie musste ich feststellen, das Daryl immer weniger zu tun bekam, aber ein doch interessanterer Charakter wurde, als ich ihm aus Episode 3 zugestehen wollte. Ich habe den Konsum der Comics bewusst vermieden, weil ich letztlich doch mehr der Filmjunkie bin. Wie es also weitergehen wird, kann ich schlecht sagen, aber ich gebe dir Recht, das man mit einem sympathischen Unsympathen sehr viel beim Publikum erreichen könnte.
Shane muss auf alle Fälle bleiben. Ist nicht eine Prämisse der Serie, das nicht unbedingt Zombies die größte Bedrohung für den Menschen sind?
Die zweite Staffel wird ganz sicher nicht auf dieser Ebene weitergeführt. Mit den ersten sechs Folgen hat man dem Publikum auf den Zahn gefühlt, und jetzt geht es dann richtig los. Was bedeutet, das sie entweder total abheben, oder die Serie tatsächlich ins Quotentief schiessen. Ich bin von der ersten Option überzeugt.

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