STARDUST - Spekulationen zu Perry Rhodan ab 2500

Cover PR 2500?Perry Rhodan, die alteingesessenste und erfolgreichste deutsche SF-Serie, strebt einem Jubiläum zu: Am Horizont erscheint der Band 2500, der wahrscheinlich eine neue Ära, aber mit einiger Sicherheit bereits in 2499 das Ende der aktuellen Handlungsstränge NEGASPHÄRE und TRAITOR einläuten wird. Es wird also mit 2500 zumindest in Sachen Handlung etwas völlig Neues beginnen.

Hier einige Überlegungen und Spekulationen dazu.

Ich muss wenig werbeträchtig zugeben, dass den folgenden Betrachtungen wohl nur PR-Leser wirklich folgen können. Aus diesem Grund möchte ich mich bei den Nicht-PR-Lesern, die sich trotzdem mit dem Artikel beschäftigen, an dieser Stelle bereits entschuldigen. Aber nur ein kleines bisschen: Ich hatte euch ernsthaft gewarnt! :o)

Wie war das noch gleich?
oder
"Neulich in der Erstauflage"

Im Zuge der Belagerung des Solsystems bot die Superintelligenz ES – Mentor der Menschheit – den Eingeschlossenen die Möglichkeit mittels eines Raum-Zeit-Tunnels übergeordneter Art der Belagerung durch TRAITOR und der Bedrohung durch die entstehende Negasphäre zu entgehen. Der Tunnel führe, so hieß es, in ein "unglaublich weit entferntes" Sonnensystem, in dem man vor den Nachstellungen durch die Terminale Kolonne und den verheerenden Auswirkungen der Negasphäre ebenso sicher sei wie vor der Gefahr, dass Terra als Kabinett im Chaotender VULTAPHER enden würde – als Werkzeug der Chaosmächte. Der Großteil der Bewohner des eingeschlossenen und durch den Kristallschirm und den NUKLEUS mehr schlecht als recht geschützten Solsystems entschieden sich, zu Hause zu bleiben, aber ca. 800 Millionen Menschen ergriffen die Chance zur Flucht. Eine Flucht ohne Rückkehr, denn der Tunnel war nur über wenige Wochen stabil.

Mir war gleich klar, dass man mit dem Stardust-System mehr plante, als es offensichtlich den Anschein hatte, denn dafür war es eindeutig viel zu gut ausgearbeitet worden: Man lieferte in den entsprechenden Heften umfangreiche Datenblätter und Kartenmaterial gleich mit und diese Arbeit würde man sich kaum für ein unbedeutendes System machen, über das man nach ein paar Heften nie mehr wieder was liest. Das war nicht nur eine Episode.

Seitens der Redaktion ließ man sich zu einigen mehr oder weniger kryptischen Hinweisen hinreißen.

Auf dem Colonia-Con rückten Klaus N. Frick (der Chefredakteur) und Rainer Castor (der Datenspezialist) auf bohrende Fragen der Anwesenden dann damit heraus, dass es wohl zwei PR-Sonderhefte um die Siedler im Stardust-System geben solle und damit war zumindest ein Teil der fanischen Neugier gestillt. Trotzdem war ich nicht ganz zufrieden, denn noch immer schien mir der Aufwand zu groß. Das konnte doch nicht alles nicht alles sein?

Später wurde dann erklärt, dass das System und die Bewohner im neuen Zyklus ab 2500 eine maßgebliche Rolle spielen sollten.

Aha.

Normalerweise bin ich nun nicht einer derjenigen, die sich in wilden öffentlichen Spekulationen um den weiteren Verlauf der PR-Heftserie ergehen, man macht sich zwar so seine Gedanken, aber ich persönlich hatte bislang noch nie das Verlangen, mich mit anderen PR-Fans darüber auszutauschen, wie's denn nun weitergehen mag. Für andere Fans ist das eins der Lieblingsthemen, aber ich finde daran nur sehr begrenzten Gefallen.

Dennoch, so muss ich zugeben, hier juckte es auch mir in den ... Gehirnzellen.

Der Grund ist auch relativ einfach nachzuvollziehen: Ein System, weit ab von allem, was man kennt, somit weitab von Terra und Perry Rhodan. Und da soll die Musik spielen? Das lässt natürlich einigen Raum für Spekulationen, warum das so sein könnte.

Ein paar Ideen dazu:

Der für mich wahrscheinlichste Grund für einen Szenenwechsel ins Stardust-System ist, dass 2499 mit einem ungeheuren Cliffhanger endet. Denkbar ist, dass entweder die Retroversion der Negasphäre misslingt (unwahrscheinlich, wenn man sich nicht der lokalen Gruppe weitestgehend entledigen will) oder etwas anderes ziemlich Unangenehmes in der Milchstraße oder im Solsystem geschieht. Der Kunstgriff ist dann nicht neu: Man läßt die Leser mit offenen Mündern zurück, blendet um nach "ganz wo anders" und bleibt dort – sagen wir mal – fünfzig Hefte lang (immerhin fast ein Jahr Realzeit), um die Leser auf die Folter zu spannen. Dann geht es wieder zurück zu den Haupthelden. Wie und warum auch immer. Neu ist das Konzept nicht, gangbar immer.

Auf der anderen Seite heißt der Titelheld der Serie nach wie vor Perry Rhodan und wenn es auch nicht unüblich war, dass man in früheren Zeiten mal über zig Hefte nichts von ihm las, so wird das doch heute deutlich anders gehandhabt und PR himself steht mindestens alle paar Romane im Zentrum der Ereignisse (was ich persönlich gut finde, denn ich schätze die Figur, insbesondere wie sie in den letzten Jahren geschildert wird, sehr. Auch der Neuleser ist nicht so verwundert, wenn er hin und wieder über einen Charakter liest, der so heißt wie seine Serie). Traut sich der Expokrat tatsächlich, mal ein Realjahr ohne Kontakt des Lesers zu Rhodan durchzuziehen?

Eins ist deutlich klar: Nach dem Gegner Terminale Kolonne TRAITOR bzw. den Chaotarchen selbst, die eine Negasphäre etablieren und Terra als ein Kabinett in einem Chaotender zerschneiden wollen, was soll da noch an Steigerung kommen? Dem nächsten bösen Antagonisten, der damit droht, Terra, das Solsystem, den Spiralarm, die Milchstraße oder die lokale Galaxiengruppe erobern zu wollen, lacht man doch ausgiebig ins überraschte Bug-Eyed-Monster-Gesicht und putzt ihn mit der gegen TRAITOR entwickelten Technologie aus dem Universum? Lächerlich.

Somit muss nahezu zwingend ein massiver Schnitt kommen. Und was wäre da besser geeignet, als ein Sonnensystem mit Terra-Kolonisten, die – fern der Heimat – mit wenig Ressourcen aber umso mehr Improvisation ein neues Zuhause aufbauen. Pioniertum at it's best und hervorragende Grundlage für hoch unterhaltsame Science Fiction-Geschichten um Terraner und ihren Erfindungsgeist und Überlebenswillen in einer fremden Umgebung - und das ohne Hightech-Overkill.
Zugegeben: Die Idee an sich ist alles andere als neu. Aber das ist völlig egal, die konkrete Umsetzung ist das, was zählt. Da könnten dann nach all der Post-Hyperimpedanz-Neo-Hightech und den mit dem Dampfhammer eingetrichterten kosmischen Zusammenhängen (erwähnte ich schon: ich stehe darauf) wieder mal vergleichsweise bodenständige SF-Geschichten erzählt werden, die auch von Lesern verstanden werden können, die PR nicht mit der Muttermilch aufsogen.

Ich bin ja nun (gähnt schon wer?) ein erklärter Freund des mystizistischen Überbaus der PR-Serie, muss aber natürlich zugeben, dass damit nur sehr schwer Neuleser zu gewinnen sind. Sense of wonder hin oder her – es ist nicht ganz leicht, den Einstieg in die fast 50 Jahre lang gewachsene Serie zu finden und das massive Marketing des Verlags zielt (Hörbücher, Computerspiele, Medienpräsenz, usw.) natürlich darauf hin, neue Leser zu gewinnen, alles andere wäre auch fast sträflich leichtsinnig zu nennen. PR ist ein Geschäft, das ist mir völlig klar. Neue Leser bringen Geld und auch wenn ich den meisten direkt an PR Beteiligten absolut zugestehe, dass sie Spaß an dem haben, was sie tun und dass sie mit dem Herz dran hängen, so ist und bleibt PR eben auch: Geschäft, Job und Lebensgrundlage. Niemand kann Frick und Co. deswegen böse sein, wenn sie versuchen, die Leserzahl zu mehren. In unser aller Faninteresse, auf dass uns Perry noch lange erhalten bleiben.

Doch wenn jemand, der nicht so motiviert ist wie unser Versuchskaninchen Jochen Adam, erstmalig auf die Serie stößt und sofort mit dem gigantischen Überbau konfrontiert wird, reibt der sich verwundert die Augen, versteht – wenn er Durchhaltevermögen besitzt – fünf Hefte lang nix, geht dann dankend wieder und wendet sich SF zu in die man einfacher einen Einstieg finden kann.

Deswegen ist es meiner Ansicht nach so und auch wichtig, dass nach dem Gigantomanismus der letzten 200 Hefte mal wieder Klein-Klein einkehrt, um  neue Leser ranzuholen. Das letzte Mal wurde so etwas im Sternenozean-Zyklus durchexerziert, der bodenständig daherkam und mich anfangs aufgrund seiner Begrenztheit massiv gelangweilt hat. Später wurde ich entschädigt (ganz am Ende habe ich mich ober-abgeärgert, weil der halbe Zyklus einfach entsorgt wurde, aber das ist eine andere Geschichte).  Aber neue Leser hat der anfangs wahrscheinlich schon gebracht, da man einsteigen konnte, ohne wissen zu müssen, was - zum Geier – eigentlich ein Kosmonukleotid ist.

Nach zweihundert Heften heftigstem Austoben im kosmischen Überbau wird es deswegen meiner Ansicht nach mal wieder deutlich ruhiger werden – zwar sicher nicht im Perryversum (irgendwo brennts immer), aber dafür in der Handlung. Der Rückzug ins Stardust-System mit seinem bedeutungsschwangeren Namen (STARDUST war der Name der Mondrakete, mit der Major Rhodan weiland auf dem Mond landete, in Heft Nr. eins, mit dem alles begann) weist darauf hin, dass man ein paar Gänge zurückschalten wird.

Völlig okay für mich. Ich kann auch mal ohne Hyperplot. Eine Zeit lang. :o)

Oder aber auch:

Die Alternative wäre, dass es Perry und Co. Ins Stardust-System verschlägt, möglicherweise ohne jede Möglichkeit der Rückkehr, und sich die dortigen Abenteuer dann um ihn drehen. Irgendwie kann ich das aber nicht glauben, dann dafür wurden dort eigentlich zu starke Charaktere etabliert, von der Tatsache mal ganz abgesehen, dass da irgendwo zwei Zellaktivatoren herumliegen. Für mich weist das recht eindeutig darauf hin, dass die Geschichten im Stardust-System ohne Rhodan und die "Stammbesatzung" stattfinden werden.

Ärgert mich das? Definitiv nicht. Die Serienbände um Stardust waren stark, das Potential ist vorhanden, dort kurzweilig und dennoch anspruchsvoll in einem neuen Szenario agieren und erzählen zu können und frische Charaktere auf neue Herausforderungen treffen zu lassen. Das Sonnensystem an sich ist weitestgehend unerforscht, allein die erforschten Gegenden haben bereits Rätsel und Mysterien zuhauf aufgeworfen und über die kosmische Nachbarschaft weiß man – nichts. Die Leinwand ist bereitet, bringt Pinsel, Staffelei und Farbe!

Es wurden Überlegungen geäußert, dass das Stardust-System sich nicht nur sehr weit weg von Terra befindet, sondern auch in einer anderen Zeit. Dass die technisch weiterentwickelten Nachkommen der geknechteten Heimat dann irgendwann zu Hilfe eilen. Ich kann das so nicht glauben, der Plot wäre meiner Ansicht nach etwas zu plump. Auf der anderen Seite kann man ganz sicher davon ausgehen, dass die Superintelligenz ES einen konkreten Plan mit den Aussiedlern verfolgt. Erfahrungsgemäß denkt ES aber immer um mehr als eine Ecke und das in mehr als vier Dimensionen, so dass vierdimensionale Leser sich gern mal verschätzen, was die Beweggründe der Superintelligenz angeht. :o) Trotzdem: Auch mit den begrenzten Mitteln im Stardust-System hätte man die Veränderung des hyperphysikalischen Widerstandes gemessen. Vergangenheit ist als Erklärung raus.

Es sind selbstverständlich noch viel abgefahrenere Plots denkbar: TRAITOR obsiegt, die Negasphäre entsteht und Terra wird zerschnitten und dem Chaotender VULTAPHER als Kabinett zugeführt. Jeder Altleser wird an dieser Stelle schlucken und sich überlegen, ob er damit leben könnte. Ich zumindest tue das gerade.

DAS wäre natürlich mal ein Ding, mit dem wahrscheinlich kaum jemand rechnet. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten sind vielfältig und vor allem (für das Perryversum) neu, quasi ein Handlungs-Reset in großem Ausmaß. Aus Star Trek kennt man die Variante mehrfach: Irgend ein Protagonist kommt, erklärt, dass die Zeitline korrumpiert wurde und man diese dringend retten muss. Gegen jede Logik helfen die Charaktere der aktuellen (also ihrer angeblich falschen) Zeitlinie und die ursprüngliche Kausalität wird wiederhergestellt. Die Realität der Helfer vergeht (meist, weil sie eh nicht lebenswert war und man bei solchem Entschwinden von Realitäten ohnehin außer einem diffusen Kopfschmerz bei den Bewohnern der "geretteten" Realitätsebene hinterher nichts merkt). Argh.

Will ich das? Ich weiß nicht. Wenn es gut geschrieben ist schon. Das Konzept kann aber maximal ins Auge gehen.

Beim Übergang ins Stardust-System kam es zu massiven Strangeness-Effekten (Strangeness bezeichnet eine Art physikalischer interuniverseller Differenz, verschiedene Universen unterscheiden sich durch unterschiedliche Strangeness. Je weiter ein Universum sich von Perryversum unterscheidet, desto größer ist dessen messbare Strangeness. Das als Erläuterung für die Nicht-PR-Leser, die immer noch bei mir sind. Und denen ich an dieser Stelle dafür meinen größten Respekt aussprechen möchte), uh, ich beginne den Satz nochmal von vorne:

Beim Übergang ins Stardust-System kam es zu massiven Strangeness-Effekten, was darauf hindeuten könnte, dass es sich in einem anderen Universum befinden könnte.
Ist das logisch? Eigentlich nicht. Außer natürlich, das eigentliche Perryversum (oder die lokale Nachbarschaft) ist durch, nicht mehr zu retten, kapott, und man macht in einem anderen Versum des Multiversums weiter. Hier würden sich erstaunliche philosophische Fragen ergeben, wenn man sich in einem Kosmos befindet, der dem ursprünglichen extrem nahe ist, nur in winzigsten Details abweicht (zum Beispiel durch eine nicht entstandene Negasphäre. Kosmisch gesehen ist das wohl nur eine Kleinigkeit). Und wenn es einen Perry gibt, dann wird aus dem Irgendein-Versum wieder ein Perryversum. Die Möglichkeiten sind immens. Ein Universum, das dem bekannten zu gleichen scheint, aber in Details abweicht. Coole Sache!

Würde ich als Altleser und Altfan das mögen?

Nein! Ich würde es hassen!

Bloß kein Universumsreset, bloß kein neues Universum. Und dass man den altgedienten Lesern das nicht antun kann, ohne wirtschaftlichen Selbstmord zu begehen, wissen auch die "Mächtigen Beherrscher des Einzig Echten Perryversums"[tm], da bin ich sehr sicher.

Abschließend (ich habe insbesondere nicht-PR-Leser jetzt lange genug gelangweilt und bedanke mich bei denjenigen Nichtlesern, die es bis hierher geschafft haben ganz außerordentlich, ihr seid Helden!) sei mir der Hinweis gestattet, dass ich zwar meine erste These (wenn sich an die noch wer erinnern kann; wer nicht braucht entweder einen Zellaktivator oder scrollt nach oben) für die wahrscheinlichste halte, ich mich aber durchaus sehr darauf freue, die Variante zu lesen, die Exposeautor Robert Feldhoff, Chefredakteur Klaus N. Frick und die Autoren dann tatsächlich ausgekocht haben. Ich bin zuversichtlich, dass es sehr unterhaltsam wird (macht mich vor den Lesern jetzt bloß nicht lächerlich, Jungs!). :o)

Denn ich habe sehr wenig Sorge, dass mich Perry Rhodan nicht noch bis ins hohe Alter vortrefflich unterhalten wird.

Ad astra

Cover 2500: von mir schamlos gefälscht, unter Verwendung eines SOL-Covermotivs, sowie Details eines PR-Covers (und gemeinfreien Weltraum-Aufnahmen). vpm, bei denen die Rechte liegen, mögen mir vergeben! :o)

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