STAR TREK ONLINE - wöchentliche Episode drei - COLD COMFORT
Und weiter geht's mit den wöchentlichen Episoden von STAR TREK ONLINE, die sich bisher als Mogelpackungen ohne wirklichen Inhalt aber dafür umso mehr Gewalt herausgestellt haben. Mit an Masochismus grenzendem Durchhaltevermögen habe ich mir auch die dritte Mission unter dem Titel COLD COMFORT gegeben, um hier darüber zu berichten.
Erwartet hatte ich wie bei den beiden ersten »weeklies« handlungsfreies Dauergeballer, doch - oh Wunder - bei COLD COMFORT fällt kein einziger Schuss. Wer jetzt allerdings denkt, diese Episode sei dadurch besser, als die vorangegangenen, der irrt gewaltig...
Persönliches Logbuch Captain van Dijk, U.S.S. UNKAPUTTBAR 2. Soeben hat mein alter Kumpel der Deferi-Botschafter Surah angerufen. Offenbar ist wieder einmal einer seiner Frachter in Schwierigkeiten und außer mir ist niemand in der Nähe, um zu helfen. Ich frage mich inzwischen, wie die Deferi raumfahrttechnisch bisher ohne fremde Hilfe überhaupt zurecht gekommen sind... Na, der wird sich umgucken, wenn die Admiralität die Rechnung schickt...
Aufgrund der bisherigen Erfahrungen wies ich meinen Ingenieur an, schon einmal die Phaserbänke zu putzen und den Warpkern auf Notmodus schalten zu lassen, denn ich rechnete aus trauriger Erfahrung mit dem Austausch diplomatischer Noten via Hochenergiewaffen. In dem genannten System angekommen musste ich allerdings voller Verwunderung feststellen, dass weit und breit kein Gegner zu sehen war - gut das mag in einem Universum, in dem jeder Hinterhof-Gangster und Ferengi-Betrüger (außer der Föderation) über Tarntechnologie verfügt, nicht so beruhigend sein, deswegen war Wachsamkeit die Parole.
Der Captain des Deferi-Frachters reagierte auch sofort auf unseren Ruf und gab zu Protokoll, dass man von Breen-Sklaventreibern angegriffen worden sei. Etliche Verletzte an Bord würden dringend Hilfe benötigen. Darüber, dass sein Raumer aus allen Knopflöchern qualmte, verlor er allerdings kein Wort. Konnte natürlich auch sein, dass das bei Deferi-Schiffen der Normalzustand war.
Nachdem ich an Bord des Frachters gebeamt worden war, stellte ich mir kurz die Frage, warum mich eigentlich keiner meiner Offiziere begleitete? Gut, wie ich bereits erwähnte gibt es Doktoren nur auf Planeten und größeren Stationen der Sternenflotte, aber zumindest meine Wissenschaftsoffizierin hätte mir bei Verletzten doch ganz gut helfen können, oder - ich bin immerhin nur taktischer Offizier und weiß zwar, wie man Verletzungen zufügt, meine medizinischen Kenntnisse beschränken sich allerdings auf den Erste Hilfe-Kurs für Menschen, Vulkanier und Tribbles auf der Akademie. Auch wunderte mich, dass angesichts des desolaten Aussehens des Frachters kein Ingenieur mal nach dem Rechten sah oder warum mir auf potentiell gefährlichem Terrain keine Sicherheitskräfte zur Seite gestellt wurden?
Aber ich bin ja nur der Captain, ich muss das nicht wissen...
Naja, immerhin kann mir so keiner von den Offiziers-Deppen im Weg herumstolpern, oder sich an einer defekten Plasmaleitung aus Versehen selbst in Brand setzen.
In der Messe des Deferi-Raumschiffs war eine improvisierte Krankenstation eingerichtet worden, auf den Tischen lagen jammernde Verletzte. Der Doktor freute sich über meine Anwesenheit (ich kann nur annehmen, dass er der Ansicht war, ich sei Arzt) und bat mich sofort, mich mal um den Patienten auf Tisch sieben zu kümmern. Nachdem ich das Bedürfnis niedergekämpft hatte »nicht mein Tisch!« zu entgegnen, sah ich mir die Verletzte mal an.
Über Subraumfunk meldete sich meine Chefwissenschaftlerin Lieutenant Teztle (warum nochmal war die jetzt nicht an meiner Stelle hier?) und riet mir, die Verletzte erstmal eingehend zu befragen. Diese antwortete, dass sie von einem Breen beschossen worden sei und ihr alles weh täte. Zu sehen war nichts, offensichtlich beschädigen Breen-Waffen nur Personen, aber keine Kleidung. Ich fragte dann noch, ob sie irgendwelche Medikamente bekäme oder allergisch auf irgendwas wäre. Ja, sei sie, und nannte den Namen eines Schmerzmittels.
Meine neunmalkluge - aber nach wie vor trotz funktionierendem Transporter nicht anwesende - Wissenschaftlerin riet mir, ich möge doch mal einen Blick auf das Deferi-Medkit werfen, da seien bestimmt Schmerzmittel drin. Na gut, dem war tatsächlich so und nicht nur eins, sondern gleich ein ganzer Haufen - glücklicherweise mit menschlichen Bezeichnungen - hatten die Deferi keine eigene Sprache?. Darunter jedenfalls auch dasjenige, gegen welches meine Patientin allergisch war. Na gut, das fiel also raus. Und sonst?
Ich kann nur annehmen, dass sich Leutnant Teztle wieder mal die Fingernägel lackierte, denn über Funk meldete sie sich nicht, als ich fragen wollte, welches davon ich denn wohl nehmen solle. Na gut, da hilft nur Experimentieren. Flugs das erstbeste Mittel ins Hypo geladen und gespritzt. Die Verletzte meinte daraufhin, das sei jetzt noch nicht so toll, aber ihr Ohrläppchen tue nicht mehr weh - sonst sei immer noch alles doof - und auf einmal meldete sich die Wissenschaft und meinte, das sei wohl nicht das Richtige gewesen und ich solle nochmal ein anderes probieren. Ja, darauf war ich ebenfalls schon gekommen... Also nicht lange gefackelt und ein anderes Schmerzmittel in die Hightech-Spritze und nochmal versucht. Diesmal verschwand der Schmerz im rechten Daumen, aber sonst war nach wie vor alles doof.
Na denn, jetzt nur keine falsche Scheu, immerhin geht's um Leben und Tod, und nacheinander alle vorhandenen Schmerzmedikamente ins Hypo, so lange, bis dann der Schmerz verschwand. Ob das jetzt daran lag, dass ich endlich das richtige Mittel injiziert hatte, oder ob sie so vollgepumpt mit unterschiedlichen Drogen war, dass sie nichts mehr merkte und den Flash ihres Lebens hatte, kann ich nicht sagen. Ich bin ja kein Arzt. Meine Laune wurde übrigens nicht dadurch verbessert, dass Teztle nach jedem Fehlversuch über Funk überflüssiger Weise darauf hinwies, dass das wohl das falsche Zeug gewesen sei.
Nachdem das wilde Herumexperimentieren von Erfolg gekrönt war, wurde ich noch angewiesen, jetzt die Wunde mit einem Protoplaser zu schließen. Welche Wunde? Ich dachte, sie hätte Verbrennungen die durch Breen-Waffen verursacht worden waren? Und wie herum hält man einen Protoplaser? Naja, egal, kann so schwer nicht sein, wenn solche Dumpfbacken wie meine Chefwissenschaftlerin damit umgehen können, kann ich das schon lange. Ich wunderte mich noch kurz darüber, warum ein Deferi-Protoplaser wie ein Sternenflotten-Tricorder aussah, damit war allerdings diese Patientin verarztet - auch wenn ihr Blick mir sagte, dass sie wahrscheinlich aufgrund des von mir injizierten eindrucksvollen Medikamenten-Mix nach wie vor auf dem Trip ihres Lebens war. Aber immerhin jammerte sie nicht mehr. Mission erfüllt.
Wieder zurück zum Doc und der schickte mich umgehend an Tisch drei, wo ein weiterer Patient auf meine medizinischen Künste wartete. ich war nach meinem Erfolg soeben schon etwas forscher und wußte ja nun, wie man sowas anging: erstmal fragen, ob er irgendwelche Medikamente bekam oder eine Allergie besaß. Vielleicht noch, ob er privat versichert war oder Kassenpatient, sowas ist ja nun auch wichtig - glaub' ich.
Patient Nummer zwei sabbelte allerdings auf alle meine Fragen nur völlig inkohärentes Zeug über Freunde und Nahrungsmittel aus der Kindheit, seine Mutter, Märchen über die Preserver und ähnliche Dinge - auf meine Fragen ging er nicht ein. Völlig unaufgefordert meldete sich Lieutenant Wissenschaft und eröffnete mir die bahnbrechende Erkenntnis, dass der Kranke offenbar völlig verwirrt sei. Danke, darauf war ich trotz fehlender medizinischer Ausbildung wohl auch schon gekommen... Diesmal war der Vorschlag, doch mal einen Scan mit dem »Hyperenzephalographen« durchzuführen, die Dinger würde man ebenfalls in Deferi-Medkits finden.
An dieser Stelle fragte ich mich zum wiederholten Male, warum wir nicht einfach die am schwersten Verletzten auf die U.S.S. UNKAPUTTBAR 2 beamten und dort mit den Hightech-Möglichkeiten der Sternenflotte behandelten? Ich verfügte zwar über keinen Schiffsarzt, hatte aber eine prima Krankenstation... Aber wie ich bereits anmerkte: ich bin ja nur der Captain, ich muss das nicht wissen.
Also flugs den Hyperenzephalo-Dings aktiviert (ich bin nach wie vor stolz auf mich, dass ich einen Deferi-Hyperenze-Gedöhns auf den ersten Blick erkannt habe) und völlig ahnungslos auf die Anzeige gestarrt. Glücklicherweise hatte meine Wissenschaftsoffizierin gerade nicht ihre gewerkschaftlich zugesicherte Kaffeepause und so konnte sie für mich das Resultat interpretieren: Offenbar hatten die Breen dem armen Kerl irgendein technisches Gerät in den Neocortex eingepflanzt, das ihn dazu brachte, Erlebnisse aus seiner Kindheit erneut zu durchleben. Meine erste Idee war, dass das ja nun nicht so das Problem sein konnte, dergleichen hatte ich bereits in zahllosen Dokumentationen vergangener Missionen von Sternenflottenschiffen gesehen, wo das problemlos mittels der überragenden medizinischen Hightech der Sternenflotte gelöst werden konnte.
Doch ich hatte mich zu früh gefreut, entweder war jetzt doch der Transporter gestört (was mich angesichts der Tatsache, dass ich mich allein auf einem desolaten Deferi-Frachter aufhielt nicht wirklich beruhigte), oder meine Krankenstation konnte gerade nicht genutzt werden, weil Fähnrich Expendable da gerade seinen 18. Geburtstag feierte. Naja, das habe ich dann natürlich auch gleich eingesehen. Mir wurde dann vorgeschlagen, doch ein Medikament zu injizieren, das irgendwas in seinem Gehirn macht, um das Implantat zumindest zeitweilig ausßer Funktion zu setzen. Welches ich da nehmen sollte, wurde mir allerdings nicht verraten, und so pumpte ich auch diesen Patienten mit Medikamenten voll, bis das Medkit leer war. Schien aber zu helfen, irgendwann redete der Mann wieder normal, was mich angesichts der schieren Menge an gespritzten Drogen doch nicht wenig verwunderte.
Mich danach zum Deferi-Doktor begeben, um ihm vorzuschlagen, dass er das Implantat selbst entfernen möge, mehr als ein paar saubere Handtücher, heißes Wasser und ein scharfes Küchenmesser wird ein guter Arzt dafür ja wohl nicht benötigen...
Doch falsch. Es handle sich dabei um Breen-Technologie, davon habe er keine Ahnung und Angst, was kaputt zu machen, seinen Patienten zum Beispiel. Hmmmm... Während ich noch überlegte, was nun zu tun sei, und wie schnell wir mit dem Patienten wohl bei DS9 wären (lag ja eigentlich gleich um die Ecke und hatte eine erstklassige Krankenstation, falls da nicht gerade gefeiert wird), kam er allerdings mit der Information um die Ecke, dass man ein paar gefangene Breen in der Brigg habe, darunter wohl einen Medizintechniker, und die doch vielleicht mal befragen könne. Ich unterdrückte den Impuls, ihm mit beliebigen Medikamenten vollzupumpen und danach mit meinem neuen Protoplaser »Idiot« auf die Stirn zu tätowieren (ich trage immer noch meine Uniform aus dem Spiegeluniversum, ich darf sowas im Zweifelsfall - aber ich bin einfach viel zu nett...).
Auf dem Weg zur Brigg meldete sich dann auch zum ersten Mal meine Sicherheitschefin und informierte mich über Breen-Verhaltensweisen und Ehrenkodizes. Dass die sehr ehrenhaft seien und man Ehrverletzendes bei Befragungen unbedingt unterlassen müsse, sonst wären die eingeschnappt. Aha? Seit wann sind wir denn so pingelig, wenns um die Rettung von Leben geht? Sonst ballern wir die Breen weg wie nix Gutes und hier soll ich mir Sorgen darüber machen, ob einer einen Ehrenfurz quer sitzen hat oder vielleicht eine Mimose ist? Vielleicht sollte ich mir einen neuen Job suchen, das Orion-Syndikat braucht bestimmt immer noch Piratenkapitäne - andererseites würde ich auch da nur auf alles schießen, was Warppylone hatte, also dasselbe wie hier.
Naja, nach einigen Kommunikations-Problemen, die ich erstaunlicherweise ohne Anwendung von Medikamenten oder Protoplaser (oder Phaser) lösen konnte, rückte der Breen namens »Tran« (war wohl auch etwas in demselben) damit heraus, dass er mit den Aktionen seines Captains nicht einverstanden sei, Asyl bei der Föderation beantrage und selbstverständlich bereit sei, zu helfen, wenn ich ihm dieses gewähren würde. Zudem gäbe es da eine Gruppe von Breen-Dissidenten, die unbedingt gerettet werden müsste.
Na also, geht doch. Mission beendet und zurück aufs Schiff gebeamt.
Was aus dem Deferi mit dem Implantat wurde? Keine Ahnung, ich kann mich doch nicht um alles kümmern...
Captain van Dijk Ende.
Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn wir eine Gruppe Breen-Dissidenten erschie... äh... retten.
Fazit: Dümmlich, unrealistisch, anspruchslos und unglaubwürdig bis zum Gehtnichtmehr. Statt den Captain - also mich - mit passenden Offizieren zu unterstützen, die mit an Bord beamen, auch um sich um andere Probleme zu kümmern oder weil es in die Stimmung der Handlung passen würde (Ingenieur oder Sicherheitler), schickt man mich allein aufs fremde Schiff. Dort soll ich Aufgaben übernehmen, für die ich nicht mal ansatzweise ausgebildet bin und werde vom Wissenschaftsoffizier über Funk (!) durchgesprochen.
Dazu das völlig überflüssige und lebensgefährliche Durchprobieren von Medikamenten an Verletzten, da fällt einem nicht mehr viel zu ein. Wenn man bei Cryptic der Ansicht ist, dies würde auch nur ansatzweise Stories von Fernsehepisoden nachahmen, dann frage ich mich, was die bei der Firma rauchen, möchte aber nichts davon haben.
Einen kleinen Lichtblick gab es erst am Ende der Mission, als man über den Breen-Gefangenen ein klein wenig Hintergrund und Plot erfuhr, der so tatsächlich in Episoden oder Filmen hätte vorkommen können - Breen-Dissidenten und Hinweise auf ein mythisches Preserver-Archiv, nach dem die Breen offenbar auf der Suche sind. Dummerweise über multiple-choice-Antworten und Fragen, die dazu führen konnten, dass der Gefangene eingeschnappt nicht mehr mit einem sprach und die Mission als »failed« beendet wurde. Zwar konnte man die neu anfangen, doch musste man sich dafür dann wieder durch die blödsinnigen Medikamentencocktail-Gaben arbeiten. Auch waren die möglichen Antworten und Fragen nicht eindeutig genug, um auf Anhieb zu erkennen, was man hätte klicken sollen, denn die vorher erhaltenen Informationen waren viel zu dünn und es blieb nur »trial and error«, genau wie bei den Patienten. Frustrierend.
Erneut nichts was den Namen STAR TREK verdient hätte - auch als Computerspiel an sich kann man nur die Schulnote »fünf« vergeben, sowas kann und muss heute einfach besser realisiert werden!
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