Darmstädter Spacedays 2010
Am letzten Wochenende fanden zum siebten Mal die Darmstädter Spacedays statt. Die Spacedays sind seit der Premiere im Jahre 2000 die einzige Modellbauausstellung, die ausschließlich dem fantastischen Genre gewidmet ist.
Der Ort war – wie schon die Jahre zuvor – der Ludwig-Engel-Saal (von den Einheimischen oft Schwanensaal genannt) in Darmstadt-Eberstadt. Und wie die Jahre zuvor, waren auch diesmal jede Menge Modelle zu sehen, aus den Bereichen Fantasy, Science-Fiction und Raumfahrt. Die meisten Stände waren, was Genres betraf, bunt gemischt. So stand z. B. an einem Stand ein Modell von Perry Rhodans Rakete »Stardust« direkt neben einem der Saturn V, mit der Apollo 11 zur ersten Mondlandung aufbrach.
Eine Besonderheit waren die drei großen Modelle, die direkt auf der Bühne standen. Rechts stand eine ARIANE V, links eine ARIANE mit dem Raumgleiter »Hermes« an der Spitze, und in der Mitte Hermes selbst. Hermes war ein von der ESA geplantes Projekt eines europäischen Raumgleiters, das Mitte der Neunziger Jahre aus finanziellen Gründen eingestellt wurde. Das Besondere an diesen Modellen: Alle drei wurden von der ESA den Spacedays zur Verfügung gestellt. Meines Wissens nach ist dies das erste Mal, dass offizielle Modelle der ESA auf einer Veranstaltung aus den Fantastik-Bereich gezeigt wurden.
Aber nicht nur Modellbaufans kamen auf ihre Kosten. Ein weiterer Schwerpunkt der Spacedays waren Kostüme. Unter anderem beteiligte sich der Club Stargate Command Germany http://sgcg.worldsbeyond.de/ an den Spacedays, drei Mitglieder wirkten unter anderem an der Eröffnung mit. Ebenfalls auffällig waren mehrere als Stormtrooper verkleidete Besucher. Am Sonntag gab es auch einen Kostümwettbewerb.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Vortragsreihe. Alle Vorträge hatten etwas zu tun mit Fantastik und/oder Raumfahrt, aber nur die wenigsten mit Modellbau. So gab es etwa am Samstagabend einen ausgezeichneten Vortrag von Jürgen Lautner über den Schweizer Künstler H.R. Giger, der als Schöpfer des »Alien« weltberühmt wurde. Am Sonntag gab es ein besonderes Schmankerl: einen Vortrag von Dr.McKay. Der Name ließ mich aufhorchen, zumal Stargate Command Germany anwesend war. Aber es handelte sich nicht um Rodney McKay von Stargate:Atlantis, sondern um Dr. Mike McKay von der ESA: Dieser blickte in seinem Vortrag zurück auf 400 Jahre Erforschung des Weltraums durch Europäer – beginnend mit Galileo Galilei, Tycho Brahe und Johannes Kepler - und zeigte auf, wie die ESA diese Forschungen mit heutigen Mitteln fortsetzt. Aus meiner Sicht war dieser Vortrag der interessanteste des gesamten Cons, da ich auf diese Weise erfuhr, was die ESA mit den Steuergeldern macht. Auf seiner letzten Folie gab Mike McKay einen Ausblick auf die weiteren Planungen der ESA, die diese im Programm AURORA zusammengefasst hat. Das Programm AURORA; das laut Folie bis 2033 reicht, beinhaltet am Ende eine bemannte Mission zum Mars. Ich bin sehr gespannt, ob dieser Plan realisiert wird.
Einen ganz anderen Vortrag hielten Oliver Debus von der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie und der Wissenschaftsjournalist Dr. Oliver Dreissigacker. Sie befassten sich mit dem »Mythos 2012« und dem Maya-Kalender, beides Themen, die nicht zuletzt durch Roland Emmerichs Film populär geworden sind. Sie nannten zunächst verschiedene – zumeist esoterische – Hypothesen, was am 21.12.2012 alles geschehen soll. Danach stellten sie rein sachlich den Aufbau des Maya-Kalenders vor – wobei es dabei eine Überraschung für mich gab: der Maya-Kalender stammt in den Grundzügen gar nicht von den Maya, sondern wahrscheinlich vom Volk der Olmeken, die einige Jahrhunderte vor den Maya in Mittelamerika gelebt hatten. Das »magische Datum« 21.12.2012 ergibt sich, weil an diesem Tag der »Long Count« des Maya-Kalenders von 13 auf 14 umspringen soll. Dreissigacker und Debus zeigten jedoch auf, dass die Maya diesem Datum keinerlei besondere Bedeutung beimaßen. Folglich blieb von all den esoterischen Hypothesen (Weltuntergang etc.) praktisch nichts übrig.
Nach diesem Vortrag folgte als Höhepunkt die Preisvergabe in diversen Kategorien. Besonders haften geblieben ist mir dabei ein von Jürgen Lautner gebautes Modell eines »Steampunk-Zeppelins«, dieses gewann den ersten Preis in der Kategorie »Selbst gebaut«. Das zeigt unter anderem, dass das Thema Steampunk auch im Modellbau schon angekommen ist.
An dieser Stelle möchte ich – last, not least - ein Lob aussprechen an die Orga und die vielen Helfer. Der Con klappte hervorragend. Besonders schätzte ich die Küche, in der es Chili, Hotdogs, Brezeln und sechs Kuchensorten gab – in guter Qualität und zu vernünftigen Preisen. Ich freue mich bereits jetzt auf die nächsten Spacedays, die 2012 stattfinden.
Text und Bilder: Volkmar Kuhnle, September 2010
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